Mein Name ist Roman Leuthner.
Seit meinem Studium der Politik-, Geschichts- und Kommunikationswissenschaften mit volkswirtschaftlichem Fokus und einer journalistischen Ausbildung arbeite ich seit mehreren Jahrzehnten als Chefredakteur für Wirtschaftsmagazine, Zeitungen und Onlineportale sowie als Autor und Dozent an Akademien und Hochschulen.
Zudem war ich im Medienmanagement eines mittelständischen Verlagshauses in Bayern und als selbständiger Berater für Medienunternehmen tätig.
Zurzeit arbeite ich in der Geschäftsführung eines Beratungsunternehmens für Medien mit Sitz in Augsburg. Unsere Gesellschaft unterstützt Unternehmen und Verbände bei der Gestaltung von Kommunikationsprojekten, der Digitalisierung ihrer Angebote und der Optimierung von Prozessen, sowie bei der Bewältigung von Transformationsaufgaben.
Das Buchprojekt Damian. Der Wolf ist ein Herzensanliegen, für das ich seit längerer Zeit recherchiere. Es wird der erste Band einer Trilogie im Nature Writing sein.
Tiere begeistern und faszinieren mich seit der Kindheit, Themen im Bereich Ökologie und Nachhaltigkeit sowie Umwelt- und Naturschutz interessieren mich schon mein ganzes Leben lang. Zuletzt hatte ich zu Beginn der 2020-er Jahre die Ehre, bei der Entwicklung des Magazins econic für die Handelsblatt Fachmedien und den Otto Schmidt Verlag zu helfen und dafür in den ersten zwei Jahren seines Bestehens als Chefredakteur und Herausgeber tätig zu sein. Unter dem Claim „Wirtschaft mit Weitsicht“ warb und wirbt die Zeitschrift innerhalb ihrer unternehmerischen Leserschaft dafür, wirtschaftliche Ziele mit sozialen und ökologischen Prinzipien zu vereinbaren.
„Schlage nur soviel Holz aus dem Wald, wie nachwachsen kann“
Die intensive Beschäftigung mit diesen Themen und Gespräche mit vielen namhaften und engagierten Experten und Expertinnen in Unternehmen, Behörden und NGO’s wie WWF, Greenpeace und dem Bund Naturschutz haben mir die Augen geöffnet. Denn mir wurde klar, dass die weltweite Ausbeutung unserer natürlichen Lebensgrundlagen zur Befriedigung eines prinzipien-, maß- und seelenlosen Finanzkapitalismus, alleine mit den Mitteln einer sozial-ökologischen Transformation der Unternehmenspolitik nicht „geheilt“ werden kann.
Dass die Europäische Kommission mit ihrem „Green Deal“ einem rein profitorientierten Wirtschaften das Konzept der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit entgegengestellt hat, das dem Prinzip „Schlage nur soviel Holz aus dem Wald, wie nachwachsen kann“ folgt, ist sicher richtig und dringend notwendig. Und ebenso richtig scheint es mir, dieses Prinzip mit Instrumenten wie der unternehmerischen Nachhaltigkeitsberichterstattung im Unternehmensalltag strategisch zu verankern.
Damit war und ist jedoch bei weitem nicht Genüge getan. Denn wie schnell der Weg zu mehr Nachhaltigkeit im Zuge des aktuellen politischen Rollbacks wieder infrage gestellt werden kann, ist ein trauriger Beleg dafür. Waren Themen wie Klimaschutz, der weitere Ausbau erneuerbarer Energien, ökologischer Landbau oder auch der Schutz außereuropäischer Produzenten und europäischer Konsumenten durch das Lieferkettengesetz an der Spitze der politischen Agenda, steht die wirtschaftliche „Erholung“ im Sinne eines höheren Wirtschaftswachstums nach konventionellen Prinzipien – also quantitativ statt qualitativ –, heute wieder an erster Stelle. Die Erholung der Natur hingegen scheint manchen Menschen, allen voran die Mehrzahl der politischen Entscheidungsträger, nicht mehr so wichtig.
Was vor allem völlig aus der öffentlichen Debatte und von der politischen Tagesordnung verschwunden ist, ist der dramatische Verlust der Artenvielfalt. Von weltweit geschätzt acht Millionen Tier- und Pflanzenarten drohen eine Million Arten unwiederbringlich von der Erde zu verschwinden. Was das für die Stabilität unserer Ökosysteme und beispielsweise auch für die Grundlage der menschlichen Ernährung bedeutet, lässt sich kaum überschätzen. Deshalb brauchen wir einen konsequenten Kurswechsel in der Form unseres Wirtschaftens, die vor allem auf der permanenten methodischen Übernutzung der planetaren Ressourcen beruht. Dazu gehören endlich wirksame Maßnahmen und gesetzliche Regelungen zum Schutz der Arten und ihrer natürlichen Lebensräume. Denn jede Art, die droht, verloren zu gehen, hat eine wichtige systemische Funktion. Jede Art stabilisiert das große Ganze, das Netzwerk des Lebens, das bereits der Naturforscher Alexander von Humboldt auf seinen großen Forschungsreisen nach Südamerika Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts erkannte.
Trophische Kaskade
Die Metapher vom Netzwerk des Lebens mag zunächst abstrakt erscheinen. Die Existenz dieses Netzwerks kann jedoch am Beispiel des Wolfs und anhand einer kleinen fachlichen Exkursion eindeutig nachgewiesen und in der Praxis gezeigt werden. Denn, wo große Beutegreifer wie der Wolf als Sekundärkonsumenten (Fleischfresser)Teil des Ökosystems sind, beschränken sie die Populationsdichte ihrer Pflanzen fressenden Beutetiere (Primärkonsumenten) und beeinflussen deren Verhalten. Dadurch verbessern sie die Situation für die Produzenten (Pflanzen). In der Wissenschaft heißt dieser Wirkungsmechanismus über die Nahrungskette trophische Kaskade.
So hat die Wiederansiedlung und Auswilderung von Grauwölfen im Yellowstone Nationalpark in den US-Bundesstaaten Wyoming, Idaho und Montana vor gut 25 Jahren nachweislich dazu geführt, dass sich die Zahl der Wapitis (vorwiegend in Nordamerika und Teilen Asiens lebende Hirsche) wesentlich verringert hat. Wie der über die ZDF-Reihe „Terra X“ und über die „Kleine Waldschule“ auf seinen Social-Media-Profilen bekannte Naturfilmer Andreas Kieling im Gespräch mit Dr. Douglas Smith, seit 1997 Leiter des „Wiederansiedlungsprojektes Wolf im Yellowstone Nationalpark“ erklärt, war während der Jahrzehnte ohne den Wolf der Bestand an Hirschen massiv angewachsen.
Da sich die Hirsche vorwiegend von Teilen junger Bäume und deren Trieben ernähren, nahm die Vegetation großen Schaden. Die Wapiti-Hirsche fraßen den Naturpark regelrecht leer. Dadurch schrumpfte für viele andere Pflanzenfresser das Nahrungsangebot an Biomasse und der Lebensraum. Arten wie die nordamerikanische Gabelhornantilope starben dadurch beinahe aus.
„Die Rückkehr der Wölfe ist ein Segen für die Artenvielfalt“
Dr. Douglas Smith, Leiter des Wiederansiedlungsprojektes Wolf im Yellowstone Nationalpark
Nach der Wiederansiedlung der Wölfe zeigten sich die positiven Auswirkungen im ältesten Nationalpark der Vereinigten Staaten von Jahr zu Jahr zunehmend deutlicher: Der Wolf macht Jagd auf die Wapitis als große Pflanzenfresser. Dadurch wechseln diese häufiger ihren Standort, weshalb junge Bäume und Triebe im Park wieder nachwachsen können.
Viele Pflanzenfresser sind gesünder und vitaler
Die Vegetation erholt sich so sehr, dass sich sogar das gesamte Landschaftsbild verändert. Viele Pflanzen fressende Beutetiere sind gesünder und vitaler, da sie sich mehr bewegen. Auch die Biber sind zurückgekehrt, die sich von Espen und Weiden ernähren, die jetzt wieder wachsen. So leben heute wieder neun Biberfamilien im Park, vor der Rückkehr der Wölfe war es eine einzige. Und die Funktion der plattschwänzigen Tiere ist einzigartig: Als Wasserbauer stauen Biber fortwährend neue kleine Seen auf und schaffen so Lebensraum für Insekten, was wiederum mehr Vögel anlockt. Das Ökosystem kommt wieder in Schwung. Douglas Smith: „Ein Segen für die Artenvielfalt!“
Ich bin kein Wolfsforscher und war nie im Wolfsmanagement oder -monitoring tätig. Ich bin aber auch kein „romantisierender Städter“, der Wölfe verehrt, weil er sich nach einem abstrakten Zustand von „Wildnis“ sehnt. Ich weiß, dass die trophische Kaskade im Yellowstone Nationalpark nicht ohne Weiteres auf mitteleuropäische Kulturlandschaften mit intensiv genutzten Agrarböden und eng besiedelten Flächen übertragen werden kann – auch wenn ihre Funktionsweise in unseren Breiten identisch ist. Gleichwohl trifft die Koexistenz mit großen Beutegreifern wie dem Wolf hierzulande auf andere Rahmenbedingungen. Ich weiß jedoch auch, dass Weide- und Nutztierhalter in mitteleuropäischen Wolfsgebieten erfolgreiche Strategien entwickeln können, um möglichst schadlos mit den Beutegreifern und ihren natürlichen Instinkten zu leben, wie zahlreiche Beispiele überzeugend zeigen. Dazu gehört aber auch, dass sie sich gegenüber Konzepten des Herdenschutzes nicht aus ideologischen Gründen grundsätzlich verweigern. Und auch für die Wälder in Deutschland, denen nicht nur der Klimawandel mit immer häufigeren und länger anhaltenden Dürreperioden zusetzt, sondern auch übergroße Bestände an Reh-, Rot- und Schwarzwild, wäre ein Bewusstseinswandel in Jägerkreisen ein ausgesprochener Segen.
Mein Engagement für die Erhaltung von Wolfspopulationen in Europa hat ökologische und wissenschaftlich fundierte Gründe. Deshalb kommen in meinem Buch Damian. Der Wolf Menschen mit viel Sachverstand und Erfahrung in den Fachgebieten Verhaltensbiologie, Tierökologie, Tierrecht und Wildbiologie zu Wort. Die ExpertInnen aus Wissenschaft und Praxis, die ich selbst kennenlernen und sprechen darf und deren Schriften oder filmische Werke ich zu Rate ziehen kann, bilden den Kern meiner Recherchen. Ohne ihre wertvollen Informationen und relevanten Hinweise könnte dieses Buch nicht entstehen. Das gilt sowohl für seine tier- und naturrechtlichen Kapitel, als auch für die erzählerische Schilderung der Reise des Wanderwolfs Damian quer durch Europa.
Der Wolf lässt niemanden gleichgültig
Über Canis lupus, die lateinische Bezeichnung für die Spezies Wolf, ist in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten einiges an Literatur und an filmischen Werken veröffentlicht worden. Neben wissenschaftlichen Studien, etwa vom LUPUS Institut in Sachsen oder vom Wolf Science Center (WSC) im österreichischen Ernstbrunn, gibt es einen Fundus an Erkenntnissen und Beobachtungen, die von gemeinnützigen Vereinen wie Wolfsschutz-Deutschland e. V. sowie von Initiativen und engagierten Einzelpersonen, zur Verfügung gestellt werden. Wer sich mit dem Wolf befasst, den lässt er nicht gleichgültig. Das zeigen auch die Arbeiten von prominenten Naturfilmern und Umweltaktivisten wie Hannes Jänicke („Im Einsatz für den Wolf“), Andreas Kieling (ZDF-Produktionen und„Kleine Waldschule“) oder dem Schauspieler Andreas Hoppe, der vielen Menschen aus der ARD-Krimireihe „Tatort“ bekannt ist, und 2019 ein Buch mit dem Titel „Die Hoffnung und der Wolf“ geschrieben hat.
Was ich an der umfangreichen Bibliothek an wertvollen Fakten, wichtigen Daten und bedeutenden Erkenntnissen, in der ich mich bedienen darf, allerdings vermisse, ist die Schilderung des Individuums und des Einzelschicksals. Ich empfinde jedes Tier als einzigartige Persönlichkeit mit kognitiven, emotionalen und kommunikativen Fähigkeiten, die auch von der Wissenschaft über lange Zeit ignoriert wurden.
„Wölfe und Fremde: Beide sind als Symbole für alles mögliche zu einem festen Bestandteil der populistischen Bewegungen geworden“
John Linnell, Experte für Mensch-Wildtier-Konflikte vom Institut für Naturforschung (NINA), Norwegen
Nein, ich rede nicht einer verklärenden „Wolfsromantik“ das Wort. Vielmehr wird seit wenigen Jahren immer deutlicher, dass weit mehr Tierarten als Primatenspezies wie Schimpansen, oder Delfine und Rabenvögel, über etwas verfügen, das einem menschlichen Bewusstsein ähnlich ist (oder gar entspricht) und das wir bisher nur dem homo sapiens zugestanden haben. Diese Erkenntnis verringert die psychologische Distanz zwischen Mensch und Tier dramatisch und macht deutlich, wie nahe uns (manche) Tiere in ihrem Verhalten doch sind. Dies gilt für Haustiere, die uns über einen Lebensabschnitt von zehn und mehr Jahren begleiten und deren Wesen wir näher kennenlernen, und ganz besonders für den Wolf, dessen Sozialverhalten dem Menschen sehr ähnlich zu sein scheint wie beispielsweise die Wolfsexpertin und jahrzehntelange Wolfsbeobachterin Elli Radinger in ihrem Buch „Die Weisheit der Wölfe“ ausführt.
Ich maße mir keine Expertise über den Wolf an, ich darf nur reichlich aus wissenschaftlichen und fachlichen Quellen schöpfen. Aber ich will Leserinnen und Leser, die, wie es Neudeutsch so treffend heißt, open-minded sind und sich für das Leben dieser faszinierenden Tiere in einer vom Menschen fast vollständig vereinnahmten Welt interessieren, dazu motivieren, nachzuempfinden und sich einzufühlen.
Das scheint mir jedoch mit Blick auf ein individuelles Schicksal leichter möglich. Hierfür ist Damian der Protagonist, der mit seiner Reise überzeugt, dass Wölfe keine Bedrohung sind, die von Populisten und unkritischen Medien, die auf Einschaltquoten und Auflagen schielen, zu Monstern stilisiert werden. Vielmehr sind sie eine große Bereicherung für stabile und zukunftsfeste Ökosysteme. Und ja, sie gehören zur Familie!
